Geschichtliches

Die "Alte Schule" in Pommerby

Das Gebäude wurde 1798 als dänische Schule auf Feldsteinen errichtet. Das Haus erhielt am Ostende ein Klassenzimmer, dann folgte in der Mitte die Wohnung für den ersten Lehrer, während der zweite Lehrer auf dem Boden ein Zimmer hatte. Die Stallungen befanden sich am Westende des Hauses. Zum Unterhalt (Stelle) gehörten 2,94 Hektar Land die von den Lehrern bewirtschaftet wurden. Mit ihren Familien und Angestellten (Hilfslehrer) wohnten bis zu 14 Personen im Haus plus Klassenzimmer ! In diesem Haus wurde 1856 der Heimatschriftsteller Georg Asmussen als Sohn des Dorflehrers geboren. Eine Marmortafel, gestiftet vom Heimatverein Angeln ist an der Ostseite zur Erinnerung angebracht worden.

Im Jahr 1926 wurde nebenan ein neues Schulgebäude errichtet. Das alte Klassenzimmer wurde in eine Lehrerwohnung für den 2. Lehrer umgebaut. Auch die Stallungen wurden in Wohnraum umgewandelt. In der Nachkriegszeit 1945 erreichte die Bewohnerzahl durch Flüchtlinge fast wieder den Stand aus dem 19. Jahrhundert. Nach Auflösung der Dorfschule im Jahr 1966 verkaufte der Schulverband die beiden Gebäude mitsamt 10000 qm Land. Es entstanden mehrere neue Häuser auf den parzellierten Grundstücken.

Lebenslauf Georg Asmussen

Jes Georg Asmussen wurde als Sohn des Lehrers Peter Henning Asmussen am 14.5.1856 in der Schule in Pommerby geboren. Es war die Zeit der Unruhen und Aufstände der deutschsprachigen Bevölkerung im damals dänischen Schleswig-Holstein. Sein Vater war ein Anhänger der deutschen Sache und hatte Schwierigkeiten mit den Behörden; ein Grund neben der besseren Bezahlung; warum er wenige Jahre später einen Arbeitsplatz als Lehrer und Küster im benachbarten Ulsnis antrat. Bei Antritt seines freiwilligen einjährigen Militärdienst bei der Feldartillerie ließ der Sohn seinen ersten Namen fallen und nannte sich fortan Georg Asmussen, das Jes erschien ihm “zu dänisch” im nun deutschen Schleswig-Holstein. Einiges deutet darauf hin, dass auch der Alkohol eine gewisse Rolle bei dem frühen Selbstmord seines Vaters spielte, der die Familie in grosser Not hinterließ. Jedenfalls entwickelte sich der Sohn zu einem glühenden Verfechters im Kampf gegen den Alkoholmisbrauch.

Georg AsmussenDer vielseitig interessierte und aufgeweckte Junge war einem befreundeten Pastor aus der Nachbarschaft aufgefallen und als dieser Probst am Schleswiger Dom wurde, hat er den Halbwaisen in seine Familie aufgenommen und ihm den Besuch der Domschule in Schleswig ermöglicht. Nach der Konfirmation 1872 begann Asmussen ohne Abitur eine Lehre bei der Maschinenfabrik Gebr. Klemm in Eckernförde und verbrachte dort auch seine Gesellenzeit. Nach seinem Militärdienst begann er sein Ingenieursstudium in Langensalza, Thüringen. Da er keine Anstellung als Ingenieur fand, arbeitete er weiter bei Gebr. Klemm um dann doch als Ingenieur in Elbing, Berlin und Hannover überwiegend im Eisenbahnbau Stellung zu finden.

Im Jahr 1885 hat Asmussen die Lehrertochter Theodore Petersen aus Kronsgaard geheiratet und für ein Monatsgehalt von 180,- Mark seinen Dienst als Oberingenieur bei der Hamburger Schiffswerft Blohm & Voss angetreten. Als Werft-Ingenieur war Asmussen für den Ausbau der Werft zuständig, nicht für den Schiffbau. Seine hervorragende Leistung war die Entwicklung und Bau des damals weltgrößten Schwimmdocks. Georg Asmussen war ein ungemein fleißiger Mann, der neben seinen anstrengenden beruflichen Anforderungen auch Zeit fand um schriftstellerisch tätig zu werden und sich in dem Guttempler Orden im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch zu engagieren. Die ständigen Probleme der Werftarbeiter, hervorgerufen durch übermäßigen Alkoholkonsum, die Tragödien und das Elend in den Familien der Arbeiter, verschärften Asmussens Anstrengungen im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch. 1893 trat Asmussen in die Flensburger Guttempler-Loge ein - wahrscheinlich die erste in Deutschland - und gründete die Holsatia Loge des Guttempler-Ordens in Hamburg. Noch heute erinnert das Georg-Asmussen-Haus in Hamburg an den Gründer der Guttempler-Loge. Ein Jahr später wurde Asmussen zum Großtempler des Ordens, also zum Vorsitzenden im Deutschen Reich, in Apenrade gewählt. Das Amt bekleidete er 5 Jahre lang um anschließend bis 1912 die Schriftführung und Herausgabe der Guttempler-Zeitung zu übernehmen. Sein unermüdlicher Einsatz im Kampf gegen den Alkoholmissbrauch brachten auch seine schriftstellerischen Fähigkeiten zum Vorschein, zuerst in den Pamphleten und Schriften des Ordens und später auch in den eigenen Romanen. So erschien 1906 sein bekanntester Roman “Stürme” und 1909 “Wegweiser” die, wie sein späterer Roman “Leibeigene”, sich vorwiegend in der Landschaft Ostangelns abspielten und das Leid des menschlichen Niedergangs verursacht durch den Alkoholmissbrauch thematisierte.

Schon mit 53 Jahren verließ Asmussen 1911 aus gesundheitlichen Gründen die Werft und setzte sich in Westerholz, nur wenige Kilometer von seiner Geburtstätteentfernt, zur Ruhe. Im Garten der kleinen Villa ließ er über 300 Apfelbäume pflanzen um den Apfelsaft als Getränk für die Werftarbeiter anstelle von Bier anbieten zu können. Bereits ein Jahr später ging er 1912 bis 1913 auf Betreiben von Blohm & Voß als Berater nach St. Petersburg, um dort die Putilow Werft mit aufzubauen. In den Kriegsjahren war er bis 1917 als Werftleiter für die türkische Regierung in Istanbul tätig. Abenteuerlich auch seine Heimreise in den Kriegsjahren nach Westerholz an der Flensburger Förde. Der verlorene Krieg und der anschließende Verlust seines Vermögens durch die Inflation brachten Asmussen an den Rand des Selbstmord. Nur der beruhigende Einfluss seiner praktischen Ehefrau rettete ihn über die schwere Zeit. Später zahlte ihm Blohm & Voß einen Ehrensold und seine wirtschaftliche Lage verbesserte sich so das er trotz des frühen Tod seiner Frau 1926 noch ein Leben erfüllt mit Naturbeobachtungen und Experimenten in Bienenzucht, Legehennen und Gemüseanbau führen konnte. Im Alter von 77 Jahren starb er schließlich am 30.12.1933 und wurde neben seiner Frau auf dem Friedhof in Grundhof beerdigt. Wahrhaftig ein erstaunlicher Werdegang für einen Jungen aus einfachsten Verhältnissen, der schon in früher Jugend den Vater verloren hat und dessen Mutter schwer kämpfen musste, um die Familie über Wasser zu halten.

Quelle: Schulchronik Gelting, Text: Kay Kentrat 

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